Wahrheit und Wahrhaftigkeit

Wahrheit wird heute mit bewiesenen Fakten gleichgesetzt. Die Bibel versteht jedoch etwas anderes unter Wahrheit, darum braucht man ein Verständnis des hebräischen Wahrheitsbegriff, bevor man die Bibel richtig verstehen kann.

Es liegt jedoch nicht nur an der langen Zeit, die seit dem Niederschreiben der Bibeltexte vergangen ist. Es war bereits zu Zeiten des Messias ein großes Unverständnis für die ursprüngliche Wahrheit vorhanden.

Während nämlich die Juden ein Zeichen fordern und die Griechen Weisheit verlangen, verkündigen wir den Messias den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, sowohl Juden als auch Griechen, verkündigen wir den Messias, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

1. Korinther 1,22-24 (Medianus 2021)

Griechische Logik und Wahrheit

Das griechische Denken versucht mit logischen Denken kausale Zusammenhänge zu verstehen. „Verstehen“ ist in diesem Zusammenhang der Schlüssel, denn im metaphysischen Bereich funktioniert dies oft nur mit Ausdrücken, die als Symbol gebraucht werden. Man spricht dann vom „Übertragenen Sinn“, weil man ein Wort aus der bekannten Welt benutzt, um etwas Unbekanntes zu benennen. In diesen Moment spricht man jedoch nicht mehr von „Verstehen“, sondern von „Begreifen“, weil man quasi an einem bekannten Ausdruch gedankliche „Griffe“ angelegt hat, um diese gedanklich begreifen zu können. Man hat einen Begriff geschaffen.

Der menschliche Verstand ist jedoch nur zum „Verstehen“ konzipiert. Die Welt des Begreifen erfordert höhere Fähigkeiten. Genau diese Fähigkeiten sollen wir nicht benutzen um die göttliche Wahrheit zu erforschen. Genau deshalb gibt es das 2. Gebot Gottes:

Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern, unter der Erde ist.  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, der aber Gnade erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

2. Mose 20, 4-6 (Schlachter 2000)

Absolute Wahrheit

Da der griechische Denker dieses Gebot mißachtet, gibt es für ihn keine absolute Wahrheit. Anstatt jenes, das er weder „Verstehen“ noch „Begreifen“ kann, seinem Schöpfer ganz simpel zu glauben, konstruiert er sich jede Menge Theorien und sucht ständig nach kausalen Beweisen um eine Theorie zu bestätigen oder zu verwerfen.

Das hebräische Denken hat eine sehr einfache absolute Wahrheit. Sie lautet:
Unser Vater im Himmel hat Himmel und Erde erschaffen.
Alles was dem widerspricht ist nicht die Wahrheit.

Gibt es keine Zweifel an dieser absoluten Wahrheit, so kann sich auch kein Zweifel nach unten „vererben“. Mit „unten“ ist hier die profane Welt gemeint, die harte Physik und Chemie der Erde. Wie wir noch sehen werden hat der „Relativismus“ des griechischen Denkens jede Menge Mist im heutigen Weltbild erzeugt.

In etwas anderen Worten finden wir dies schon im Alten Testament:

Er hat alles vortrefflich gemacht zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit hat er ihnen ins Herz gelegt – nur daß der Mensch das Werk, das Gott getan hat, nicht von Anfang bis zu Ende ergründen kann.

Prediger 3, 11 (Schlachter 2000)

Was da ist, das ist schon vor Zeiten gewesen, und auch was sein wird, ist schon vor Zeiten gewesen; und Gott sucht das Vergangene wieder hervor.

Prediger 3, 15 (Schlachter 2000)

da sah ich an dem ganzen Werk Gottes, daß der Mensch das Werk nicht ergründen kann, das geschieht unter der Sonne; obwohl der Mensch sich Mühe gibt, es zu erforschen, so kann er es nicht ergründen; und wenn auch der Weise behauptet, er verstehe es, so kann er es dennoch nicht ergründen.

Prediger 8, 17 (Schlachter 2000)

Wahrheit und Selbstzweck

Der wohl häufigste Irrtum der allermeisten „Christen“ entsteht durch die Frage nach dem Zweck des Menschen, der Menschheit und der Erde.

Unser Vater und Schöpfer kennt diesen Zweck genau. Im Gegensatz zu seinen Geschöpfen, weiß er genau, warum und zu welchen Zweck er uns und die gesamte Erde erschaffen hat.

Wir Menschen können diesen Zweck nur in Ansätzen verstehen. Dies jedoch nur, wenn man nicht an das gängige Weltbild der Neuzeit glaubt. Sobald man das Weltbild der Wissensschaft als gegebene Tatsache akzeptiert, bildet sich automatisch ein Glaube an den „SELBSTZWECK“ des Menschseins. Man verliert jeden Zugang zu dieser Frage und damit auch die Verbindung zum Vater im Himmel.

Die Wahrheit der Bibel kann man nur begreifen, wenn man akzeptiert, dass jeder Mensch für einen gewissen Zweck erschaffen wurde. Genau so wichtig ist die Erkenntnis, dass auch die gesamte Erde einem höheren Zweck dient.

Wahrhaftigkeit versus Präzedenz

Wahrhaftigkeit verliert sofort an Bedeutung, wenn ein Mensch sich auf Zitate oder Präzendenzfälle bezieht. Sobald der Pfad der Ganzheitlichkeit verlassen wird, erfolgt ein Verlust an Wahrhaftigkeit.

Ganzheitlich zu denken dürfte wohl das größte Manko unserer Zeit sein. Durch die Fülle an Informationen hat sich eine Spezialisierung breitgemacht, sodass ein ganzheitlicher Überblick zur Seltenheit geworden ist.

Besonders im modernen Journalismus sieht man im „Zitieren“ eines „Experten“ bereits einen Beweis für die eine oder andere Haltung. Oft hat der Journalist nicht das geringste zum jeweiligen Thema begriffen, trotzdem maßt er sich an, das Thema zu bewerten. Dieser „Haltungsjournalismus“ hat den „Echten Journalismus“ völlig verdrängt.
Dazu ein guter Beitrag von Norbert Bolz

Aber auch in der Wissenschaft ist dieses Phänomen zur Normalität geworden. Man begründet Sachverhalte mit Zitaten, deren Entstehung in keinster Weise überprüft oder begriffen wurden. Dadurch entsteht oft „Scheinwahrheit“, die Wahrhaftigkeit immer mehr verdrängt.

Am Ende werden auch die Suchenden mit „griechisch“ geprägter Denkweise erkennen, dass es die „gesetzmäßige Wahrheit“ nicht gibt. Sowohl mit dem „Mikroskop“, als auch dem „Teleskop“ sehen sie die gleichen Phänomene, trotzdem finden sie kein Naturgesetz, weil es der lebendige Gott ist, dessen Werk sie beobachten und niemals begreifen werden. Viele werden letztlich auch unseren Schöpfer erkennen, gerade weil sie die Unendlichkeit beobachtet haben. Erkennen diese Menschen daraufhin auch den Plan, das ewige Evangelium in AT und NT, besonders das „Evangelium des Johannes“, dann finden einige auch zum ewigen Leben.

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