Vollgeldreform – Kritiksammlung

 Vollgeld? Voll daneben

13. Oktober 2015
Der Autor Werner Vontobel ist einer der typischen Volkswirte unserer Zeit. Hoch intelligent aber TINA-geschädigt. Wie fast alle Volkswirte baut er auf teils fehlerhaften Paradigmen auf. Ein derart gefestigtes Weltbild kann nur schwer geändert werden, denn die Korrektur der fehlerhaften Grundwerte zerstört das ganze Weltbild und damit die Stellung und das Selbstbild.

Zitat:
Das Finanzsystem ist (bei allen Fehlern und bei aller kriminellen Energie, die in ihm steckt) in den vergangenen Jahren das Opfer der Realwirtschaft geworden. Das kann man erkennen, wenn man sich das „Nichts“ genauer anschaut, aus dem das Geld angeblich geschöpft wird. Wie spätestens seit der Diskussion um das Quantitative Easing allseits bekannt ist, schöpfen Zentralbanken Geld, indem sie über die Geschäftsbanken im grossen Stile Schuldtitel von Staatsanleihen kaufen und zwar im Tausch gegen kurzfristige Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank.

Mit all diesen Volkswirten müßte man über ihre Grundwerte diskutieren. Sie müßten erkennen, dass die alten Theorien auf denen sie aufbauen, keine Tatsachen sind. Sie sind teils richtig, teils halbrichtig und teils völlig falsch. Zum besseren Verständnis ein ganz banales Beispiel. Das „Gesetz von Angebot und Nachfrage“. Es gibt dieses Gesetz nicht und es hat dieses Gesetz auch niemals gegeben. Die Theorie darüber hat sich im Lauf der Geschichte ständig verändert. Trotzdem wird es immer wieder als Grundlage, als Berechnungsbasis oder als Beweis herangezogen. So verhält es sich auch mit allen anderen Paradigmen der Volkswirtschaft. Diese Diskussion würde endlos dauern, deshalb macht sie keinen Sinn.


 Vollgeld = Vollidiotie

12.5.2015
Der Autor und Ökonom Jürgen Ott fährt hier schwere Geschütze auf.

Kreditbanken sind NICHT unser Problem – ganz im Gegenteil.
Das Giralgeld ist NICHT unser Problem – ganz im Gegenteil.
Banken schöpfen KEIN Geld aus dem Nichts – das ist Humbug.
Und: Vollgeld führt – trotz gegenteiliger Beteuerungen seitens der Anhängerschaft – zur Zentralisierung unseres Kreditwesens bei der Zentralbank, quasi zur „Einheitskasse“ – das IST respektive würde zum Problem für uns alle.

Er erklärt dann die Geschichte des Geldwesens und kommt dann zum heutigen Finanzsystem. Spätestens dann wird klar, dass er keine Ahnung von heutiger Giralgeldschöpfung hat.

Zitat: 
Giralgeld wird NICHT von Banken aus dem Nichts gezaubert – Giralgeld entsteht NUR und IMMER, sobald einzelne Bankkunden sich von anderen Bankkunden deren Spareinlagen ausleihen. Und das Volumen von Giralgeld wird somit quasi durch die Umlaufgeschwindigkeit dieses Geldes (präziser: durch diesen „Kreditmultiplikator“) bestimmt. So einfach. Und jetzt Punkt, Schluss, Amen und Aus mit allem anderweitigen Quatsch.

Unseriöser Schenkkreis SNB

14.1.2015 Marc Meyer

Dies ist zwar keine Kritik am Vollgeldsystem, der Autor kritisiert jedoch sehr ausführlich die Behauptung der „Geldschöpfung aus dem Nichts“. Wenn jemand die private Giralgeldschöpfung für richtig erklärt, kritisiert er natürlich auch indirekt die Vollgeldreform. Man erkennt hier sehr deutlich die Denkweise solcher Ökonomen.

Volkswirte, wie Meyer, haben ein klares Bild über die Giralgeldschöpfung. Sie sehen den offensichtlichen Betrug bei der Giralgeldschöpfung als volkswirtschaftliche Notwendigkeit an. Sie betonen immer ganz besonders, dass jedem Kredit ein Vermögenswert gegenübersteht, der in die Bilanz als Forderung eingebucht wird. Dabei wissen sie, dass diese Forderung kein Vermögen der Bank ist, das sie verleihen könnte, sondern Eigentum des Kreditnehmers ist. Sie wissen auch, dass neues Geld entstanden ist. Das sieht man ja an der Verlängerung der Bankbilanz, welche bei jeder Kreditvergabe entsteht. Aber sie finden es völlig in Ordnung, wenn private Banken Geld schöpfen und die Seigniorage nicht der Allgemeinheit zugute kommt.

Zitat:
Der Geldzufluss sei unlimitiert. Wirklich? Wer gibt denn der SNB das viele Geld, um immer mehr Euros zu kaufen? Und warum geben Sie ihr das?
Es sind vor allem Geschäftsbanken CS, UBS oder die Kantonalbanken, welche der SNB Kredite geben für ihre Euro-Käufe. Geld entsteht ja, indem der Geldemittent einen Vermögenswert in seiner Bilanz aufnimmt und dagegen einen Schuldschein emittiert, respektive dem Geldhalter eine Gutschrift verbucht, was dasselbe ist.
Im klassischen Fall nimmt der Geldemittent Gold in sein Vermögen auf und emittiert dagegen einen Schuldschein bzw. eine Banknote. Oder eine Zentralbank nimmt eine Staatsobligation in ihr Vermögen auf und verbucht zugunsten der  Bank eine Gutschrift (Giroguthaben der Banken bei der SNB).
Oder eine Geschäftsbank nimmt eine Hypothek in ihr Vermögen auf und schreibt dem Hausbesitzer den entsprechenden Wert auf dessen Konto gut, damit dieser das Haus bezahlen kann. Die Sicherheit für die Bank ist in diesem Fall das Haus.
Eine Geldschöpfung entsteht also nicht „aus dem Nichts“ –  unlimitiert –  wie unsere SNB und Professor Baltensperger irrtümlich behaupten. Nein, Geldschöpfung kann nur entstehen gegenüber einem realen Vermögenswert. Geld „aus dem Nichts“ wäre „nichts“ wert.

Mit der letzten Aussage hat Meyer unabsichtlich recht. Der größte Brocken an Giralgeld ist in Wahrheit „nichts“ wert.
Derivate


  Vollgeld?

10.11.2014 – von Jörg Guido Hülsmann.

Auch dieser Autor verbreitet erstmal große Kompetenz. Bis man schließlich erkennen muss, dass er die Vollgeldreform überhaupt nicht begriffen hat.

Zitat aus dem Artikel:
Aber im Gegensatz zur heutigen Regelung dürften sie jedenfalls nicht mehr selber über das auf diesen Sichtguthaben verbuchte Geld verfügen. Vielmehr müssten sie dafür sorgen, dass jeder Betrag, der auf der Habenseite eines Sichtguthaben verbucht ist, auch von einem entsprechenden Betrag Zentralbankgeld gedeckt ist, welches entweder in Form von Noten oder Münzen in den Tresoren der betreffenden Geschäftsbank oder in Form von Buchgeld auf einem Konto der Zentralbank liegt.

 Die „Vollgeld“-Utopie

25.6.2014 – von Susanne Kablitz.

Auch hier wieder eine Ökonomin, die ihre Glaubensgrundsätze niemals aufgeben würde. Das Ganze hat fast religiösen Charakter. Die Gründer und Entwickler solcher Glaubensrichtungen erheben sich zu wahren Propheten. Innerhalb des Kreises ist Kritik an diesen Personen tabu. Was für andere Keynes oder Gesell ist, ist für Frau Kablitz der Ökonom Friedrich August von Hayek.

Zitat:
Die Vollgeld-Initiative sieht in dieser Geldmengenausweitung der privaten Banken DIE große Problematik und fordert, dass nur noch die Nationalbank oder hier in Deutschland eine „vierte Gewalt“- die Monetative – darüber die Macht und die Entscheidungsgewalt haben soll, wieviel Geld geschöpft werden soll. Bei all diesen Forderungen wird nicht nur konsequent ignoriert, dass es ohne Zentralbanken die derzeitige Krise und andere davor gar nicht gegeben hätte – nein, es wird ihnen sogar bescheinigt, dass diese Einrichtungen das Unheil der „Märkte“ wieder gerade biegen müssten und somit nur die Brandlöscher seien.

Frau Kablitz ist eine Vertreterin der sogenannten „Neo-Austrians“. In einem Punkt haben diese Anhänger der „österreichischen Schule“ teilweise recht. Die Kontrolle der Geldmenge durch eine unabhängige Zentralbank ist problematisch. Darum das „Humane Geld“.


Die Fiktion des risikolosen Vollgelds

13.6.2014 – Rudolf Walser

Wie sehr oft, verwechselt auch Walser die Vollgeldreform mit einer 100% Mindestreserve-Lösung.

Zitat:
Anfang Juni wurde die Vollgeld-Initiative gestartet, die zum Ziel hat, die Geldschöpfung der Geschäftsbanken durch einen Mindestreservesatz von 100% zu unterbinden. Im Grunde genommen wollen die Schweizer Vollgeld-Initianten damit den Kapitalismus nicht verbessern, sondern mit ihrer «Reform» den ersten Schritt zu dessen Überwindung machen. Nur sagen sie das nicht offen.

Auch seine weiteren Kritikpunkte sind nicht plausibel. Beispielsweise schreibt er, das Vollgeldsystem würde das Kreditgeschäft und das heutige Zahlungssystem abschaffen.

Zitat: 
Einige Dienstleistungen von Banken, die für uns alle wichtig sind, haben mit der heutigen Funktionsweise des Bankensystems zu tun – dem Einlagen- und Kreditgeschäft. Unser heutiges Zahlungssystem basiert zu einem wesentlichen Teil auf den Sichteinlagen bei Banken und bildet – wie das Strassensystem – einen wichtigen Teil der volkswirtschaftlichen Infrastruktur. Ein effizientes Zahlungssystem trägt zu einem reibungslosen Wirtschaftsgeschehen bei. Eine Vollgeld-Reform würde diesen Teil des heutigen Bankgeschäfts mehr oder weniger aus der Welt schaffen, ohne dass die Vollgeld-Anhänger sagen könnten, wie es genau ersetzt werden soll. Dies erklärt wohl auch, warum sich die Kunden nicht nach einem Vollgeld-System sehnen, obwohl eigentlich das Geschäftsmodell schon heute möglich wäre.

Ein Kommentator des Artikels bringt es auf den Punkt:

Naja, Glaubwürdigkeit sieht für mich anders aus.

Vollgeldkonzept -Lösung des Problems?

28.2.2014 von Irene Varga

Dies ist wohl die bisher umfassenste Kritik an einer Vollgeldreform. Aus ihrer Analyse geht deutlich hervor, dass eine Reform zu Vollgeld keinesfalls ausreicht.

VargaIhre Kritik ist zwar übertrieben und hält einer wissenschaftlichen Überprüfung keinesfalls stand, aber sie ist in jedem Fall berechtigt.

Darum ist für die Einführung des Humanen Geldes das Vollgeld nur Voraussetzung.


Vollgeld in der Kritik

Einer der Unterstützer und Initiatoren erklärt hier die geschichtlichen Hintergründe der verschiedenen Denkrichtungen in der Volkswirtschaftslehre. Danach fasst er die verschiedenen Kritikansätze zusammen.


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